„Parmi les mondes“: Jugendliche aus Leipzig, Lyon und Bukarest setzen Rollenbilder in Szene
29. September 2026 Julia Plagentz-Verworner
Der Physiklehrer gibt einer Schülerin ihren Test zurück, sie hat die Bestnote erzielt. Der Kommentar des Lehrers: „Gar nicht schlecht für ein Mädchen.“
An der Bushaltestelle kann eine junge Frau nicht ungestört warten, sondern wird von einem ihr unbekannten Mann belästigt und schließlich beleidigt.
Unreflektierte Zuschreibungen, Alltagssexismus, binäres Denken in Feindbildern. Auch im Jahr 2026 ist in vielen Köpfen noch nicht angekommen, dass wir alle an allererster Stelle Menschen sind und nicht etwa eine uns (meist) von außen zugewiesene Rolle.
Im Rahmen des europäischen Theaterprojekts „Parmi les mondes“ („Zwischen den Welten“), welches in der vergangenen Woche hier in Leipzig stattfand, hatten Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 bis 12 aus Rumänien, Frankreich und Deutschland die Möglichkeit, sich auf erfrischend kreative Weise mit solchen Problemen und Fragen auseinanderzusetzen.
Jeweils 15 Teilnehmende der Școala Centrală in Bukarest, des Lycée de Saint-Just in Lyon sowie je 5 Schülerinnen und Schüler dreier ausgewählter Leipziger Gymnasien (Kant-Gymnasiums, Schule am Palmengarten sowie das WOG) durften an dem viertägigen Projekt teilnehmen, welches durch Erasmus+-Mittel finanziert wurde.
Ziel der Begegnung war es, in trinational gemischten Gruppen Fähigkeiten im Gespräch und in der Zusammenarbeit zu erweitern, um dann mithilfe theaterpädagogischer Methoden Szenen und Installationen zum Thema „Rollenbilder“ zu erarbeiten. Französisch diente hierbei als Begegnungssprache und ganz nebenbei konnten die Teilnehmenden ein stärkeres Gefühl für ein europäisches Miteinander entwickeln.
Das begleitende kulturelle Rahmenprogramm bot am ersten Tag reichhaltige Inspirationen für den späteren Arbeitsprozess, so zum Beispiel der Urban Walk in der Leipziger Innenstadt, welcher vergessene Geschichten Leipziger Frauen sichtbar machte, der Besuch des Mendelssohn-Hauses mit Fokus auf der weniger bekannten, jedoch nicht weniger talentierten Fanny Mendelssohn und die deutsch-französische Theateraufführung „Miteinander statt übereinander – Parle-moi de toi“ der Theaterkompanie Thallia aus Lyon.
Projekthöhepunkt war nach drei Tagen intensiver Arbeit mit den drei Theaterpädagoginnen Hanka, Isabella und Ulrike die äußerst gelungene öffentliche Aufführung im Strietzsaal der Kinder- und JugendKulturWerkstatt JOJO in der Riebeckstraße, zu der auch Herr Dr. Jost anwesend war, welcher sich am Ende der Vorstellung den Standing Ovations des Publikums anschloss.
Unser ganz besonderer Dank geht an die Organisatorin der Begegnung, Erasmus+-Koordinatorin im LaSuB, Frau Cathleen Gold!
Im September 2027 findet das Folgeprojekt in Bukarest statt. Auch das WOG darf wieder dabei sein. Interessierte Schülerinnen und Schüler der zukünftigen 10. und 11. Klassen können sich gern bei Frau Plagentz-Verworner melden.



